BZ: Gemischte Gefühlswelt in Teningen

HANDBALL. Dritte Liga Männer: SG Köndringen-Teningen – TGS Pforzheim 28:28 (14:17). Die Blicke der jungen Teninger Spieler verrieten eine Mischung aus Verzweiflung, Erleichterung und Stolz. Gerade war die Schlusssirene ertönt, SG-Keeper Ulrich Kiefer hatte beim Stande von 28:28 den letzten Wurf der Pforzheimer wenige Sekunden vor Spielende bravourös gehalten und doch konnten sich die Teninger Jungspunde und ihre Anhänger in der Ludwig-Jahn-Halle nicht so richtig freuen.

Den neutralen Beobachter könnte das durchaus wundern. Denn gegen den wurfgewaltigen Gast aus Pforzheim, der über einen der stärksten Angriffe der Liga verfügt, erscheint ein Unentschieden gar nicht so schlecht. Um die Gefühlslage zu verstehen, muss man auf die letzten zehn Minuten der Partie blicken. Die SG führte mit vier Toren Vorsprung und hatte nach einer nahezu perfekten zweiten Hälfte den Sieg vor Augen. Doch dann wechselte sich bei Pforzheim der 43-jährige Spielertrainer Andrej Klimovets ein. Der Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 2007 stand in der Abwehr wie ein Fels und glänzte mit starken Anspielen. So kamen die Gäste, begünstigt durch technische Fehler der SG und Pfostenpech bei einem Versuch des stark aufspielenden Jan-Lennart Beering, noch zum Remis.

Im Streichelzoo kam sich SG-Kreisläufer Jonathan Fischer zwischen den Pforzheimern Andrej Klimovets (links) und Davor Sruk in dieser Szene am Kreis sicher nicht vor. Foto: Achim Keller

Beering konnte seine Gefühlslage auch einige Minuten nach Abpfiff noch nicht einordnen: "Einerseits haben wir eine überragende zweite Hälfte gespielt. Andererseits hat sich in den letzten Spielminuten gezeigt, dass uns vielleicht die Routine und Abgezocktheit noch fehlt", so der 22-Jährige, mit neun Treffern erfolgreichster Schütze der Gelb-Schwarzen.

Auch SG-Trainer Ole Andersen war eher enttäuscht als erfreut über das Unentschieden: "Heute haben wir eher einen Punkt verloren. Es war klar zu sehen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die manchmal noch zu riskant und hektisch spielt." Auch an einer mangelnden Chancenverwertung und einer Mischung aus "Pech und Unvermögen" machte der Däne den verpassten Sieg fest.

Auf der anderen Seite sei er "stolz darauf, wie die Mannschaft gekämpft hat", was das Heimpublikum besonders in der zweiten Hälfte lautstark honorierte. Denn nach ersten starken 15 Minuten verloren die Gastgeber die defensive Ordnung. Ein Umstand, den Andersen mit einer "zu offensiven Spielweise" erklärte. Die starke Pforzheimer Offensive um Florian Taafel und Maris Versakovs fand in dieser Phase oft die Lücke, um ihre wuchtigen Versuche im Tor unterzubringen.

Auch weil Stammtorhüter Tomas Suba nicht ins Spiel fand, brachte Andersen am Ende der ersten Hälfte den von der SG-Reserve dazugestoßenen Ulrich Kiefer. Dieser trug zu einem furiosen Start in die zweite Halbzeit bei. Innerhalb kurzer Zeit kamen die Gelb-Schwarzen zum Ausgleich. Von der 35. Minute an lagen sie bis zum Ende des Spiels nicht mehr zurück. Kiefer half seiner Mannschaft mit fantastischen Paraden, die er selbst als eine Mischung aus "Glück und detailliertem Videostudium der Pforzheimer Werfer" zu erklären versuchte. So passte es zu diesem grandiosen Handballspiel, dass es Kiefer vorbehalten war, den finalen Wurf der Pforzheimer zu parieren und somit zumindest einen Punkt zu sichern. Ob Punktgewinn oder Punktverlust – eine tolle Leistung war es allemal.

Tore SG: Beering 9, Fischer 8, Fleig 4, Ammel 3, Zank 2, Simak 1, Dittrich 1/1. Spielfilm: 3:2 (6.), 6:4 (11.), 7:7 (13.), 9:11 (20.), 11:14 (25.), 14:17 – 18:18 (35.), 21:19 (40.), 23:20 (44.), 27:23 (49.), 28:26 (57.), 28:28.

 

Badische-Zeitung: http://www.badische-zeitung.de/h-3-bundesliga/gemischte-gefuehlswelt-in-teningen

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