Interview mit Gery Sandu

Heute geht es weiter mit unserer Interview-Reihe

Duner Bikel: Hallo Gery, wir freuen uns, dass du zu einem Interview zur Verfügung stehst. Erste Frage: Wie geht es dir? Wie erlebst du die Corona-Zeit?

Gery: Hallo und zunächst einmal vielen Dank, für die Einladung zum Gespräch. Es freut mich sehr, dass ihr an mich gedacht habt.
Die Corona-Zeit ist für mich – wie für uns alle – eine sehr turbulente Zeit. Es ist eine Zeit der Veränderung, die viele Herausforderungen aber auch Chancen mit sich bringt.
Gesundheitlich geht es mir und meiner Familie gut und das ist für mich als Familienmensch natürlich das Wichtigste.

Duner Bikel: Stell doch bitte ganz kurz vor für alle Fans, die dich nicht (mehr) kennen. Woher kommst du? Wann hast du bei uns gespielt? Auf welcher Spielposition hast du am liebsten gespielt?

Gery: Aufgewachsen bin ich in Neuffen (Großraum Stuttgart) am Fuße der schwäbischen Alb.
Meine Rückennummer war die 44 und ich habe bei euch von 2011-2016 links-außen als „Flügelflitzer“ gespielt. Diese Position habe ich sehr gerne gespielt, meine Lieblingsposition war jedoch die Rückraummitte.

Duner Bikel: Wie kam es zu Deinem Wechsel zur SG KöTe?

Gery: Der primäre Grund für den Wechsel war meine Familie in Baden-Württemberg und mein Start in die Berufswelt im Bereich Marketing. Maßgeblich an meinem Wechsel beteiligt waren damals der Spielerscout Norbert Simak und der Vorstandsvorsitzende Markus Keune.

Duner Bikel: Was waren deine größten sportlichen Momente bei der SG KöTe oder anderswo an die du dich noch erinnern kannst? Und gab es auch bittere Niederlagen?

Gery: Mein schönster Moment bei der SG KöTe war mein Dreher-Tor in den letzten 10 Sekunden meines letzten Spiels. Ein weiteres Highlight meiner Karriere war der Moment, als ich meinen Vertrag für die erste Bundesliga unterschrieben habe. Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen, auf den ich Jahre lang hingearbeitet hatte.
Meine größte, persönliche Niederlage war es, als ich mir in der A-Jugend bei der JSG Neuhausen das Kreuzband im rechten Fuß gerissen habe und eine Zeit ausgefallen bin.

Duner Bikel: Du hast deine Zeit als Spitzenhandballer bei der SG KöTe ausklingen lassen. Bei welchen Vereinen hast du davor gespielt? Und in welchem Alter hast du mit dem Handball-Sport angefangen?

Gery: Angefangen hat alles beim TB Neuffen. Ich war damals gerade 7 Jahre alt. Im Anschluss war ich beim TSV Owen. Bis zu A-Jugend habe ich schließlich beim JSG Neuhausen gespielt. Mit dem TV Kirchzell folgte meine Zeit in der zweiten Bundesliga. Über die HSG Wetzlar kam ich dann zur SG KöTe.

Duner Bikel: Du hast in deiner Zeit mit vielen Spitzen-Handballern zusammengespielt und einige herausragende Trainer kennengelernt. An wen erinnerst du dich noch?

Gery: Am meisten im Gedächtnis geblieben sind mir ganz klar Kurt Reusch und mein Vater. Sie haben mich geformt und waren beide große Vorbilder für mich.

Duner Bikel: Gab es Begegnungen mit Persönlichkeiten, die dich besonders geprägt haben?

Gery: Ja, die gab es. Einer, der mich besonders geprägt hat, war Andreas Wolf (Anmerkung: Aktueller National-Torwart). Mit ihm habe ich viele Jahre in Kirchzell gespielt. Andreas verfügt nicht nur über sehr viel Talent, sondern er war auch immer einer der fleißigsten und ehrgeizigsten. Dieser Fleiß war es, der mich sehr beeindruckt hat.

Duner Bikel: Welche Handball-Halle oder Handball-Arena in Deutschland oder Europa hat bei dir besonderen Eindruck hinterlassen?

Gery: Das war ganz klar die Kiel-Arena. Ich habe den blauen Fußboden damals im Fernsehen gesehen. Die Kulisse wirkte beeindruckend und ich habe mir gewünscht auch einmal dort als Profi zu spielen. Der Traum wurde Wirklichkeit und was soll ich sagen – die Realität war eine andere als was ich mir im Fernsehen ausgemalt hatte, denn der schöne blaue Fußboden bestand aus blau gestrichenen Holzlatten. Dennoch war es beeindruckend vor 10.300 Menschen zu spielen.

Duner Bikel: Zurück zur SG… Was hast du von deiner Zeit bei der SG noch in Erinnerung, aber abseits des Sports?

Gery: In Erinnerung geblieben sind vor allem die tollen Menschen und der Zusammenhalt im Team. Jeder war hilfsbereit, freundlich und aufgeschlossen. In dieser Zeit sind einige Freundschaften entstanden.

Duner Bikel: Was machst du aktuell, sportlich und privat? Bist du dem Handballsport noch verbunden?

Gery: Meine Handballschuhe habe ich an den Nagel gehängt. Es war mir wichtig mit schönen Erinnerungen in den sportlichen Ruhestand zu gehen. Jetzt bin ich Unternehmer und stecke privat all meine Leidenschaft in den Ausbau meiner eigenen kleinen Gin-Marke namens neeka.

Duner Bikel: Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern oder anderen Akteuren aus deiner Zeit bei der SG?

Gery: Ja habe ich. Vor allem mit Mitspielern aus meinen ersten Jahren bei der SG, wie Michael Rascher und Andreas Holz.

Duner Bikel: Was sind deine Wünsche und Hoffnungen an den Handballsport? Warum sollten Kinder unbedingt Bälle in die Hand nehmen?

Gery: Dieses Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen. Jedes Kind sollte einen Team-Sport betreiben. Es muss auch nicht unbedingt Handball sein, auch wenn ich natürlich auf viele Nachwuchstalente hoffe. Team-Sportarten vermitteln Kindern wichtige persönliche Kompetenzen wie Fairness oder den Umgang mit Erfolg und Niederlagen und natürlich wird auch die Athletik geprägt.

Duner-Bikel: Was sind die Chancen von Corona für den Leistungssport? Wird sich etwas ändern?

Gery: Hier möchte ich keine Prognose abgeben. Sicher ist für mich nur, dass sich etwas ändern wird. Die Richtung ist zum aktuellen Zeitpunkt noch ungewiss. Klar ist für mich jedoch, dass die Hygienemaßnahmen im Sport sich verbessern werden. Ich hoffe vor allem, dass die Sponsoren weiterhin in der Lage sein werden die Teams zu unterstützen und Talente – besonders im Jugendbereich - zu fördern. Deutschland war immer ein Vorreiter im Handball und ich hoffe, dass das auch in den kommenden Jahren weiter der Fall sein wird.

Duner Bikel: Deine Abschluss-Worte an die SG?

Gery: Zum Abschluss möchte ich nochmals „Danke“ an die SG und die Fans sagen für die vielen gemeinsamen Jahre und all die schönen Momente in der Ludwig-Jahn-Halle.
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Markus Keune, der mich von Anfang an wie einen Sohn in seiner Familie aufgenommen hat. Ich habe mich dafür nie ganz offiziell bedanken können und daher möchte ich das an dieser Stelle nachholen. Danke Markus, dass du mich all die Jahre unterstützt hast.

Duner Bikel: Danke für das Interview

 

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